Wir teilen aus!

Bardowick, 31. Oktober 2018 – Der alljährliche Spuk hat wieder begonnen. Düstere Kreaturen schleichen durch unsere friedlichen Straßen, tasten sich von Haus zu Haus und verbreiten Nachrichten des Schreckens in Paar- und Kreuzreimen. Die einzige Möglichkeit sich gegen diese vermummten Gestalten zur Wehr zu setzen ist der Einsatz von Zucker, dafür in jeglicher Verarbeitung als Werkzeug zu haben. Und so greift der besorgte Bürger in panischer Hektik zum Süßigkeitenkorb, wenn von der Haustür her das unheilverkündende Ding-Dong erschallt.

Doch siehe da, es wird gesungen. Was hat es denn nun damit auf sich? Ganz einfach, die evangelische Jugend ist unterwegs! Denn wir feiern Reformation. In kleinen Gruppen wollen auch wir durch die Straßen ziehen, allerdings ohne Kostüm. Und auch Zucker wollen wir nicht unbedingt mitnehmen. Im Gegenteil, wir verteilen Äpfel – und hoffentlich etwas Freude.

Warum das Ganze? Wir sind die Generation, die um die Jahrhundertwende geboren ist und damit eine, die bis dato ein ziemlich friedliches Umfeld genießen durfte. Demokratie und Recht sind eine selbstverständliche Säule unserer Gesellschaft und erst in späteren Schuljahren denken wir überhaupt über deren Berechtigung und Sinn nach. Doch wir merken Tag für Tag ein wenig mehr, dass diese Selbstverständlichkeit, in der wir aufgewachsen sind, gar nicht so selbstverständlich ist. Es wird rückwärts gedacht, und zwar an vielen Stellen in der Gesellschaft. Wir zeigen deshalb offenkundig: Wir blicken nach vorn!

Luther war ein Nach-vorn-Denker. Nicht in jeglicher Hinsicht, er war schließlich kein Heiliger und seine Ansichten hinsichtlich Juden sind nicht schönzureden. Und doch ist er uns ein Vorbild, denn er lebte seinen eigenen Glauben, stand für Bildung und kritisches Denken ein. Das wollen wir jeden Tag bedenken, kritisch hinterfragen. Wir haben in unserer Bardowicker Kirche die Möglichkeit frei zu denken, Offenheit zu leben zu spüren. Wir wollen diese Offenheit weitertragen. Wir hoffen, dass unsere Äpfel Nährstoff der Hoffnung und des guten Geistes sind, denn dann werden unsere kleinen Schritte weiter getragen. Das ist unser Wunsch.

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ – Martin Luther zugesprochen

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