Freude am Erwachsenwerden

In den kommenden Wochen feiern junge Menschen in unserer Gemeinde ihre Konfirmation. Dieses Fest markiert eine Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Früher war damit oft das Ende der Schulzeit und der Beginn des Arbeitslebens verbunden. Inzwischen hat sich dieser Übergang ein wenig verschoben. Doch auch heute noch sind Jugendliche im Alter von 14 Jahren religionsmündig. Sie dürfen selbst entscheiden ob und welcher Religion sie angehören möchten. Mit der Konfirmation bekennen sie sich zum christlichen Glauben und werden zu eigenverantwortlichen Mitgliedern unserer Kirche. In der katholischen Kirche geschieht dies mit dem Fest der Firmung. Jüdische Jugendliche übernehmen mit 12 oder 13 Jahren die Verantwortung für ihr eigenes religiöses Leben und werden als  „Bar Mitzwah“ bzw. „Bat Mitzwah“ betrachtet.

Eine jüdische Stimme

Im Judentum gelten Mädchen mit 12 und Jungen mit 13 Jahren als erwachsen, das heißt, in der Lage, Verantwortung für das eigene religiöse Leben und für die Erfüllung der Gebote vor Gott und den Menschen zu übernehmen. Von diesem Zeitpunkt an werden sie als „Bar Mitzwah“ bzw. „Bat Mitzwah“, als „Sohn/Tochter der Verpflichtung“, betrachtet und sind selbst verantwortlich für das Halten der Gebote. Erst seit dem Mittelalter begehen Jungen den Beginn dieser neuen Lebensphase mit einer Zeremonie, zu der das Rezitieren der Torah im Gottesdienst, ein Lehrvortrag und das Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen) gehören. Von nun an werden sie zum Minjan, also des für bestimmte Gebete und Rituale notwendigen Quorums von zehn Männern, gerechnet. Für Mädchen bildeten sich erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts verschiedene Formen heraus, um die Bat Mitzwah zu feiern.

Die Vorbereitungen für die Bar/Bat Mitzwah ziehen sich bei Kindern je nach Vorwissen und Gemeindepraxis über ein bis drei Jahre hin. Im Gottesdienst legen sie zum ersten Mal ihren Tallit an und tragen den Wochenabschnitt der Torah ganz oder teilweise vor, meist in der traditionellen musikalischen Rezitationsweise. Dazu kommt noch die Haftarah, die Prophetenlesung, in Hebräisch oder in der Landessprache. Danach folgt eine kurze Predigt, manchmal wird auch ein Teil des Gottesdienstes vorgebetet. Daran schließt der Kiddusch, ein festlicher Imbiss, in der Gemeinde an und danach wird im privaten Rahmen mit Familie und Freundeskreis weitergefeiert.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

 

 

 

Eine christliche Stimme

Sowohl Judentum als auch Christentum kennen Rituale des Erwachsenwerdens und Zeichenhandlungen, welche die zivile und religiöse Mündigkeit zum Ausdruck bringen, aber auch die Einladung zum christlichen Zeugnis in der heutigen Welt und zur Mitarbeit in der Gemeinde. In der römisch-katholischen Kirche ist die Firmung das Sakrament der Mündigkeit. Der Bischof verleiht und feiert die Gabe des Geistes unter Gebet und Salbung bzw. Handauflegung. Die Firmanden empfangen Gottes Geist. Sie erwidern den Friedensgruß und sind bereit, sich selbst mit ihren Charismen in den Dienst der Menschen zu stellen. Die Firmpat*innen unterstützen sie dabei, was sie mit der Hand auf der Schulter der Jugendlichen signalisieren.

In der Evangelischen Kirche bekräftigen junge Menschen ihre Aufnahme in die christliche Gemeinde, die zuvor mit der Taufe, meist im Säuglingsalter, geschehen ist. In der Konfirmanden-Zeit lernen die jungen Menschen die Grundlagen des christlichen Glaubens kennen, üben sich in christlicher Spiritualität ein und engagieren sich im Gemeindekontext. Nach dem Fest der Konfirmation sind sie eingeladen, ihren Weg des Glaubens in der Gemeinschaft anderer Christinnen und Christen weiter zu gehen und sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten in der Gemeinde einzubringen.

– Prof. Dr. Stephan Leimgruber

Beim Namen gerufen

Morgen feiern wir ein Tauffest an der Ilmenau. Bei der Taufe stehen die Täuflinge mit ihrem Namen im Mittelpunkt. Er ist Ausdruck der Unverwechselbarkeit einer jeden Person. Gott meint uns persönlich. Er ruft uns bei unserem Namen.

In wohl allen Religionen und Kulturen ist es für Eltern eine bedeutsame Entscheidung, welchen Namen ihr Kind tragen soll. Jüd*innen und Christ*innen verbinden mit dem Namen die unverwechselbare Persönlichkeit und Würde, die Gott in einem jedem Menschen sieht:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!“ (Jes 43,1)

Eine jüdische Stimme

Das Judentum misst Namen eine große Bedeutung zu, denn sie sind Ausdruck der Zugehörigkeit eines Individuums zu Familien- und Gemeindetraditionen. Außerdem hegen Eltern die Hoffnung, dass sie ihrem Kind mit einem wohlklingenden, beziehungsreichen Namen ein positives Vorzeichen auf seinen Lebensweg mitgeben. Die Namensgebung ist bei Jungen Teil der Beschneidungszeremonie am 8. Lebenstag. Bei Mädchen wird der Name nach der Geburt im Rahmen einer Torahlesung in der Synagoge verkündet. In den letzten Jahrzehnten ist es üblich geworden, auch für Mädchen ein eigenes Ritual der Namensgebung zu feiern. Viele Kinder haben daneben noch einen „bürgerlichen“ Namen, der ihr offizieller Rufname ist.

Bei der Entscheidung für einen Namen werden häufig je nach regionalem Brauch verstorbene oder lebende Familienmitglieder geehrt, die auf diese Weise symbolisch das Kind durch das Leben begleiten. Daneben stehen eine Fülle biblischer Namen zur Auswahl und auch Namen, die Bezüge zum jüdischen Jahreskreis, zur Natur und zu erwünschten Charaktereigenschaften aufweisen. Die Eltern sind Teil des Namens, denn man wird stets als „X, Sohn/Tochter von Y und Z“ aufgerufen.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Eine christliche Stimme

Bei der Taufe wird der Ruf, den der Ewige an alle Menschen richtet, als Ruf-Name in die Taufformel eingebunden. Darin drückt sich die Gewissheit aus, dass wir als Menschen vom HERRN bei unserem Namen, der für uns als unverwechselbares Subjekt steht, angesprochen und „ausgelöst“, also erlöst sind.

Wir sind dadurch nicht nur mit dem Schöpfer verbunden, sondern Er auch mit uns. Schließlich wird jedes Kind „auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ getauft. Der dreifaltige Gott, der uns im Mutterleib gewoben hat, der unser Innerstes kennt (Ps 139), Er ruft uns beim Namen und wir dürfen Ihn beim Namen rufen. Das Christentum teilt die Überzeugung des Judentums: Der HERR kennt uns und liebt uns. Er schenkt uns einen Namen, damit wir uns zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln, aber auch auf seinen Ruf antworten und im Zweifel zu Ihm umkehren.

– Freiseis

 

Der Sommer in unserer Kirchengemeinde

Der Sommer ist da! Die Infektionszahlen sinken, und das Leben wird bunter. Welch eine Freude, in den Gottesdiensten und beim Taizégebet wieder singen zu dürfen!

Bei schönem Wetter werden wir weiterhin gern Gottesdienste auf der Domwiese feiern – das ist etwas, das wir zu schätzen gelernt haben im letzten Jahr. Gleichzeitig freuen wir uns über die Möglichkeit, auch den Dom wieder mehr zu nutzen, unsere seit mehr als tausend Jahren durchbetete Kirche, und wieder die vollen Klänge der Orgel genießen zu dürfen. Unsere Konfirmandinnen und Konfirmandin können nun endlich ihre Konfirmation feiern. Gut 35 Jugendliche werden auf die Sommerfreizeit in Schweden fahren. Und regelmäßige Veranstaltungen wie die Kirchlichen Nachmittage und der Freiraum Bibelgespräch finden wieder statt.

Für die Sommermonate bieten wir ein abwechslungsreiches Programm für alle Altersgruppen an – da ist für jede und jeden etwas dabei, und das meiste wird unter freiem Himmel stattfinden: Offenes Singen am Abend auf der Domwiese, die Dombauhütte, Pilgern für Kinder und Erwachsene, abendliche Radtouren und vier Konzerte des Bardowicker Orgelsommers… Blättern Sie durch das Domino oder klicken Sie sich hier durch unseren Veranstaltungskalender, um genauere Informationen zu finden. „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerszeit an deines Gottes Gaben“ – lassen Sie uns in diesem Sinne diesen Sommer genießen!

Teamer-Wochenede: Schweden, wir kommen!

Es war wie früher: Nachdem alle getestet waren, durften wir als geschlossene Freizeit-Gruppe im Gemeindehaus Bardowick „ganz normal“ zusammenkommen. Ohne Masken, ohne Abstand, miteinander singen, gemeinsam essen. Ein unglaubliches Gefühl, das Vorfreude weckte auf unsere Sommerfreizeit in Schweden, die wir an diesem Wochenende vorbereitet haben. Acht Teamer*innen und sieben Juleika-Absolvent*innen feilten gemeinsam mit Johanna Reimers und Elisabeth van Nguyen am Freizeitplan. Tagesausflüge und Outdoor-Aktivitäten, thematische Einheiten, Hobby-Gruppen, Sport und Spiel, dazu die notwendigen Einkaufsfahrten und – ja – auch das regelmäßige Testen, das alles wollte erarbeitet, überlegt und sinnvoll über die Tage verteilt sein. 

Wir sind glücklich, dass auch in Schweden die Infektionszahlen inzwischen soweit gesunken sind, dass das Land nicht mehr als Hochrisiko-Gebiet gilt und eine Qurantäne bei Rückkehr nach heutigem Stand nicht mehr nötig sein wird. So steht unserer Reise ins Land der Seen und Elche nichts mehr im Wege. Wir sind gespannt auf unser nächstes schwedisches Abenteuer und werden anschließend hier berichten.